715 m² Reinraumfläche für hochsensible Produktionsprozesse

Weiss Klimatechnik plant und realisiert Reinraumkomplex für medizintechnische Produkte

Für die Herstellung von Spezialkristallen für ein innovatives bildgebendes Verfahren benötigte ein führender Medizintechnikhersteller in einem Neubau einen Reinraumkomplex mit insgesamt 715 m² Reinraumfläche. Gefordert waren fünf Reinräume der Klassen ISO 6 und ISO 7, umfangreiche Schleusenbereiche sowie eine leistungsfähige technische Infrastruktur.

Weiss Klimatechnik hat das Projekt mit einem Volumen von 4,5 Mio. € geplant und als Generalunternehmer funktionsfertig umgesetzt.

BIM als Grundlage für eine koordinierte Planung

Bereits zu Projektbeginn erfolgte die Planung vollständig im BIM-Verfahren. Dadurch konnten Schächte, Versorgungsleitungen und elektrotechnische Komponenten kollisionsfrei in das bereitgestellte Gebäudemodell integriert werden. Die gemeinsame Datenbasis erleichterte die Abstimmung zwischen den beteiligten Gewerken und schuf zugleich die Grundlage für ein späteres effizientes Gebäudemanagement.

Im weiteren Projektverlauf erwies sich die digitale Planung insbesondere bei nachträglichen Anpassungen als Vorteil. Trotz zusätzlicher Anforderungen und Terminverschiebungen anderer Gewerke konnte der Projektfortschritt zuverlässig gesteuert werden.

Reinraumtechnik mit hoher Integrationsdichte

Der ursprüngliche Auftrag umfasste zwei Reinräume der ISO-Klasse 6 sowie drei Reinräume der ISO-Klasse 7. Neben der eigentlichen Reinraumhülle gehörten eine Personenschleuse sowie neun Materialschleusen und Durchreichungen zum Leistungsumfang.

Die Errichtung der Reinräume selbst erfolgte mit erprobten, modularen Systemkomponenten. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Planung und Errichtung der Personalschleuse. An diesem zentralen Punkt im Reinraum wurden intelligente Detaillösungen integriert, um die Reinheit aktiv zu unterstützen. Dazu gehören abschließbare und für Laptop und Tablet optimierte Fächer und Getränkehalter sowie ein in die Möbel integrierter Wasserspender. Für die Partikelabreinigung des Personals beim Wechsel vom ISO 7- in den ISO 6-Bereich wurde eine Luftdusche installiert.

Im Projektverlauf ergaben sich diverse Änderungen und Erweiterungen. Diese betrafen unter anderem den Stahlbau für eine Technikbühne über dem Reinraum und die Planung der gesamten Medienverrohrung in den Reinraum inklusive Prozesswasser, VE-Wasser und Druckluft. Überdies wurde der Auftrag um die Elektroplanung inklusive Steckdosen und Beleuchtung für den gesamten Reinraumbereich ergänzt und der WHG-Boden des Reinraums auf die gesamte Etage erweitert.

Klimatechnik für hohe Wärmelasten und anspruchsvolle Prozesse

Eine besondere Herausforderung stellte die hohe Wärmelast der Prozessanlagen dar. Deshalb wurde die Reinraumtechnik an eine bauseitige dezentrale Kälteanlage angebunden.

Zur Verbesserung der Energieeffizienz werden die für den Prozess unkritischen Fortluftstränge gebündelt und einem zentralen Klimagerät zur Wärmerückgewinnung zugeführt. Prozessbedingt kontaminierte und aggressive Fortluft wird hingegen separat über unempfindliche Kunststoffverrohrungen und spezielle Ventilatoren abgeführt. Ein Großteil davon wird einer bauseitigen Reinigungsanlage zugeführt und dort thermisch behandelt.

Diese Lösung verbindet die Anforderungen an Prozesssicherheit mit einem wirtschaftlichen Anlagenbetrieb.

Druckkaskaden und Luftführung präzise abgestimmt

Für die erforderlichen Reinheitsklassen wurden mehr als 40 Filter Fan Units mit H14-Filtern sowie rund 50 Einzelabsaugungen installiert. Die übergeordnete Regelung erfolgt über eine Siemens S7-Steuerung.

Besondere Aufmerksamkeit erforderte die Einstellung und Abstimmung der Druckkaskaden zwischen den einzelnen Reinraumbereichen. Zahlreiche technische Durchführungen sowie die Integration verschiedener Prozessanlagen mussten so umgesetzt werden, dass die Reinraumklassifizierung dauerhaft gewährleistet bleibt. Eine Maschine wurde beispielsweise in einer Reinraumwand platziert, damit der Technikbereich außerhalb des Reinraumes im Graubereich liegt. Eine Wartung der Maschine ist so ohne Verlust des Reinraumstatus‘ möglich. Bei vielen weiteren Maschinen waren Durchführungen von Prozessmedienleitungen in der von der Maschine vorgegebenen Höhe nötig, hier erfolgte die Abdichtung durch individuelle Einzellösungen.

Die Gesamtanlage verfügt zudem über einen energiesparenden Erhaltungsbetrieb, der den Raumdruck auch bei reduziertem Volumenstrom stabil hält und Kontaminationen verhindert.

Komplexes Projekt termingerecht umgesetzt

Trotz zusätzlicher Leistungsumfänge, logistischer Herausforderungen und der parallelen Arbeiten zahlreicher Gewerke wurde der Reinraumkomplex termingerecht und funktionsfertig übergeben.

Dirk Schüßler, Gesamtprojektleiter Weiss Klimatechnik, resümiert zufrieden: „Ich bin froh, dass wir die verschiedenen Erweiterungen und die logistischen Herausforderungen zur vollsten Zufriedenheit unseres Kunden termingerecht erledigen konnten.“