„Ich frage oft: Wieviel Platz haben Sie für die OP-Lüftung berücksichtigt? Denn wenn es eng wird, ist unser System das richtige – und oftmals das einzig mögliche.“
Volker Jung über Hygieneklima für moderne OP-Zentren: platzsparend, hygienisch, wirtschaftlich sinnvoll.
Freundlich, konzentriert, präsent: Volker Jung erscheint bestens aufgelegt zum Technik-Lunch und entscheidet sich für das Tagesgericht: Gnocchi mit Pfifferlingen, dazu eine Cola, später Espresso. Im Gespräch berichtet er von aktuellen und abgeschlossenen Projekten, die zwischen hygienischen Anforderungen, baulichen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Abwägungen realisiert werden.
Herr Jung, worum geht es beim Hygieneklima für OPs?
An erster Stelle geht es darum, zu verstehen: die hygienischen Anforderungen, die Ideen und Vorstellungen der Kunden und die baulichen Gegebenheiten. Das klappt am besten, wenn wir frühzeitig ins Gespräch kommen und schon bei der Planung integriert werden. Später sind häufig schon Fakten geschaffen, die negative Auswirkungen auf die Klimatechnik haben können.
Für welche medizinische Raumklassen bieten Sie Lösungen?
Wir können von Raumklasse 2 über 1B bis hin zu 1A alles abdecken. Dabei wird aus meiner Sicht zu Unrecht nach wie vor über 1A OPs mit Laminar Flow diskutiert. Denn schon 2013 wurde in einer Hybeta-Studie festgestellt, dass die Keimbesiedelung von OP-Besteck in 1B OPs etwa 150-fach höher ist als in 1A OPs. Was das bedeutet, kann jeder selbst überlegen. Ich würde jedenfalls lieber dort operiert, wo die Keimbelastung am geringsten ist – und am besten unter einer Weiss Decke. Am Ende muss aber natürlich der Nutzer in Abstimmung mit der Hygiene und dem Gesundheitsamt die Raumklasse festlegen.
Was sind die größten Herausforderungen bei der OP-Planung?
Die Entwicklung einer passenden Hygieneklima-Lösung für OPs gemäß Infektionsschutzgesetz und den Vorgaben der DIN 1946-4 in Abstimmung mit den abnehmenden Gesundheitsbehörden ist immer eine spannende Aufgabe. Die größte Herausforderung ergibt sich meist aus den baulichen Gegebenheiten.
Inwiefern sind die baulichen Gegebenheiten ein Problem?
In der Regel geht es um den Platz, den wir haben – oder eben nicht. Wenn der Architekt bei einem neu gebauten Krankenhaus einen großen Technikraum eingeplant hat, ist alles gut. Oft läuft es aber anders: Weil jeder Quadratmeter umbauter Raum teuer ist, wird maximal platzsparend geplant. Und wenn es dann an die Klimatechnik für die OPs geht, wird es eng, weil Platz dafür fehlt.
Wie lösen Sie das Platzproblem in OPs?
Mit unseren extrem platzsparenden Klimageräten Vindur® Room In und Vindur Compact.Gibt es in einem OP, der kleiner als 30 m² ist, keinerlei Technikfläche, platziere ich das Room In direkt im OP. Ist der OP größer als 30 m² brauche ich einen 6 bis 7 m² kleinen Technikraum. Die Geräte leisten die komplette Luftaufbereitung, also Heizen, Kühlen, Be- und Entfeuchten. Im Kanalsystem platzieren wir dann endständige Filter für die gefordert Raumklasse. Dadurch sind unsere Lösungen für die vielen neu entstehenden Praxiszentren und ambulante Kliniken mit einer Zulassung nach §30 der Gewerbeordnung geeignet.
Sind ambulante Kliniken und Praxen mit OP ein neuer Trend?
Nicht neu, aber ein Trend, ja. Aktuell haben wir viele Projekte in dem Bereich. Nehmen wir zum Beispiel Katarakt-Operationen, also Grauer Star. Die dauern rund 10 Minuten und es gibt meist keinen Grund, dass die Patienten länger in der Klinik bleiben. Dann gibt es immer mehr Schönheitskliniken, die ambulante OPs durchführen. Und es entstehen neue Praxiszentren, die einfache Knie-, aber auch Hüft- und Schulter-OPs ambulant machen. Diese Ambulantisierung rechnet sich: Kliniken können lukrative OPs durchführen, ohne Räumlichkeiten und nicht-medizinisches Personal vorhalten zu müssen.
Das bedeutet, dass Sie auch diese Kliniken und Zentren ausstatten?
Ja, neben klassischen Krankenhaus-OPs ist das einer unserer Schwerpunkte. Hier bieten wir das komplette Paket, von der Planung über die Ausführung bis hin zur Abnahme. Das ist wichtig, weil meistens viel abzustimmen ist, zum Beispiel mit den abnehmenden Behörden, also den Gesundheitsämtern. Wir beraten und begleiten unsere Kunden da komplett und unterstützen sie auch bei Gesprächen mit den Behörden. Das kann Prozesse vereinfachen und vor allen Dingen beschleunigen. Ist ein Projekt abgeschlossen, leisten wir in den meisten Fällen auch After-Sales-Service
Was ist die Besonderheit bei ambulanten Klinikzentren?
Viele Projekte sind Umbauten oder Erweiterungen von Bestandsgebäuden und vorhandenen Räumlichkeiten. Wenn zum Beispiel in einer etablierten Arztpraxis in attraktiver Altstadtlage ein OP integriert werden soll, sind natürlich ganz andere bauliche Anforderungen zu erfüllen, als wenn ein Krankenhaus auf der grünen Wiese gebaut wird. Da geht es dann oft darum, möglichst wenig Platz zu benötigen und kreative Lösungen für die Luftführung und -aufbereitung zu entwickeln.
Bieten Sie auch Lösungen für andere medizinisch genutzte Räume?
Ja, wir bieten Hygieneklima-Lösungen auch für andere Räume, in denen ein besonderer Schutz der darin befindlichen Personen nötig oder gefordert ist. Dazu gehören Intensivstationen, Patientenzimmer und Aufwachräume als Klasse 2 Räume. Und natürlich Räume für CT und für die Sterilisation, die neben der Lufthygiene auch Anforderungen hinsichtlich der abzuführenden Wärmelast haben.
Wie sichern Sie die Hygieneanforderungen in Klasse 2 Räumen?
In der Regel mit einem Vindur® Top Sekundärluftkühlgerät. Das ist eine Eigenentwicklung und ein grundsolides Gerät. Das Tolle ist: Es kann bedarfsgerecht an die Lufthygiene-Anforderungen angepasst werden. In der Standardausführung besitzt es eine zweistufige Filterung und die Innenbleche haben eine antimikrobielle Silberionenbeschichtung. Dazu können dann UVC-Strahler, H14 Schwebstofffilter und, als Highlight, unsere Thermische Desinfektion kommen.
Was bedeutet Thermische Desinfektion bei Sekundärluftkühlgeräten?
In vielen Praxen hängen Klimageräte, die zeitweise abgeschaltet werden. Im Gerät schlägt sich dann Kondensat nieder, das Nährboden für Mikroorganismen bietet. Diese können beim nächsten Anschalten im gesamten Raum verteilt werden. Deshalb heizen wir bei der thermischen Desinfektion die Kondensatwanne und den Wärmetauscher über eine gewisse Zeit auf über 70 ºC auf, so dass alle Keime und Bakterien sicher abgetötet werden. Damit kann das Gerät auch nach längerem Stillstand hygienisch einwandfrei wieder eingeschaltet werden.
Das heißt, dass Sie für jedes Hygieneklima eine passende Lösung bieten?
Nicht für jedes, aber für sehr viele. Wir haben viel Erfahrung und passende Geräte für Krankenhausneubauten, Kombi-Lösungen, um Klasse 2 Räume zu 1B Räumen aufzuwerten sowie für Untersuchungsräume und Patientenzimmer.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jung, und guten Appetit.
Informationshappen Volker Jung
Seit mehr als 33 Jahren ist Dipl. Ing. für Energie- und Wärmetechnik Volker Jung im Vertrieb bei Weiss Klimatechnik. Ursprünglich wollte der Familienmensch zwar in den Bereich Forschung und Entwicklung, aber er hat seinen Weg nie bereut. Kein Wunder: Als erfolgreicher Ex-Leichtathlet und Tischtennis-Spieler weiß er, wie man sich mit Technik, Ausdauer und Tempo einen Wettbewerbsvorsprung erarbeitet – und ist damit perfekt für den Vertrieb geeignet.
