Modifizierte Standardlösungen für hochgenaue Mess- und Reinräume

Technik-Lunch mit Anne-Marie Dejongh

„Wenn‘s kompliziert ist heißt es im Markt oft: Geh mal zu Weiss Klimatechnik. Die können sowas.“  

 

Schwungvoll, auskunftsfreudig und begeistert von Thermodynamik – Anne-Marie Dejongh ist bereit für den Technik-Lunch. Zu ihrem Cesar Salat mit Garnelen nimmt sie ein Wasser, anschließend einen Cappuccino. Im Interview berichtet sie, woher ihre Begeisterung für Thermodynamik kommt und wie sie ihr jeden Tag dabei hilft, maßgeschneiderte Rein- und Messräume zu entwickeln.  

Was gibt es Neues in der Klimatechnik? 

Da tut sich aktuell einiges. Die Anforderungen an Mess- und Reinräume steigen, immer häufiger werden hochgenaue Lösungen benötigt. Gleichzeitig wird die geforderte Temperatur- und Feuchte-Range immer größer. Unabhängig davon haben wir derzeit viel mit spannenden Ausschreibungen für Großprojekte zu tun.  

Was macht Großprojekte spannend? 

Die Dimensionen. Physikalisch haben sie ja die gleichen Grundlagen. Aber bei Großprojekten ist vieles anders, weil zusätzliche Aspekte und Parameter zu berücksichtigen sind. Und bei Ausschreibungen gibt es zwar meist umfangreiche Lastenhefte, aber wenig Kommunikation und Beratung. Deshalb müssen wir manche Dinge einschätzen oder ableiten. Da hilft uns unsere Erfahrung natürlich viel.  

Sie bearbeiten auch viele Sonderprojekte. Was ist das Besondere daran? 

Sonderprojekte sind unser Kerngeschäft. Wir realisieren Rein- und Messräume für sehr unterschiedliche Bereiche von der Apotheke bis zur Kosmetikindustrie, vom Anlagenbau bis zur Forschungseinrichtung und vom Museum bis zum Archiv. Jeder Kunde hat spezielle Anforderungen, viele davon bedeuten für uns: hochgenau. 

Gibt es Trends, die Sie bei Sonderprojekten feststellen? 

Immer mehr Hersteller vertreiben ihre Produkte weltweit. Deshalb müssen sie wissen, ob diese auch in anderen Regionen und mit anderen Klimabedingungen funktionieren. Ein Make-Up zum Beispiel verhält sich bei 10° C und 50 % Feuchte anders als bei 40° C und 90 % Feuchte. Deshalb müssen Rein- und Messräume, in denen das geprüft wird, möglichst viele Klimaregionen abdecken. 

Was waren die ungewöhnlichsten Klimaräume, die Sie geplant haben? 

Oh, da fallen mir viele ein. Wir haben einen Raum geplant, um Salami schnell und gleichmäßig zu trocknen und eine Prüfkammer für Haarspray, die die verschiedenen Klimaregionen weltweit simuliert. Für eine Hochschule haben wir einen Prüfraum entwickelt, um das Wachstum von Parasiten auf Nutztieren zu erforschen. Wir klimatisieren auch Räume zur Kalibrierung von Maschinen oder um Klebstoffe in unterschiedlichen Klimabedingungen zu testen.  

Was ist bei solchen Projekten die größte Herausforderung? 

Zunächst müssen wir verstehen, was genau wofür benötigt wird. Wie viele Menschen werden in dem Raum arbeiten und welche Feuchte- und Wärmelast bringen sie ein oder auch welche Kontamination ist zu erwarten. Können wir Filter im Gerät nutzen oder brauchen wir zusätzlich HEPA-Filter? Und falls ja, was bedeutet das für das Klimagerät: Müssen wir dieses für die erforderlichen Luftmengen und den benötigten Druck größer dimensionieren? Da kommen viele Themen zusammen, die sich wechselseitig beeinflussen und die wir berücksichtigen müssen. Dazu gehört natürlich auch das Thema Energieeffizienz.  

Wie sichern Sie Energieeffizienz bei Ihren Projekten? 

Das ist bei jedem Projekt unterschiedlich. Eine Lösung ist zum Beispiel unser Raum-in-Raum-Konzept. Das bedeutet, dass wir in einen größeren Reinraum mit niedrigeren Anforderungen eine Kammer bauen, die dann die benötigten höheren Anforderungen für einen bestimmten Prozessschritt hochgenau sichert – ohne, dass der ganze Raum energieaufwändig klimatisiert werden muss.  

Was begeistert Sie bei Ihren Projekten? 

Ich finde Thermodynamik faszinierend. Ich weiß, viele mögen das nicht, weil sie sehr abstrakt ist. Aber wenn man sie einmal durchdrungen hat, ist alles klar und macht viel Spaß. Deshalb ist bei jedem Projekt das h-x- oder Mollier-Diagramm mein Ausgangspunkt. Wenn ich das ordentlich berechnet habe und einige Formeln und Werte, die wir bei uns hinterlegt haben, nutze, kann ich alle technischen Eckdaten für ein Projekt einfach ableiten.  

Ist das dann nicht ein bisschen langweilig?  

Ganz im Gegenteil! Bei uns ist jedes Projekt ein Neustart. Im Vorfeld kann man nie genau wissen, wie sich Temperatur und Feuchte verhalten. Für unsere speziellen Anwendungen gibt es auch noch keine KI-Tools. Deshalb sind neben dem h-x-Diagramm unsere internen Formelsammlungen und Prozesse enorm wichtig. Da stecken mehr als 40 Jahre Klimatechnik-Erfahrung drin.  

Warum sind Erfahrungswerte bei Ihnen so wichtig? 

In dem Bereich, in dem wir arbeiten, ist vieles nicht einfach schwarz-weiß. Es gibt viele Grauzonen. Das ist nicht so wie in der Automobil- oder Pharmaindustrie, wo es für alles eine Norm mit festgeschriebenen Werten gibt. Zu uns kommen viele Kunden – Planer, Endkunden, Wissenschaftler – die sagen, was sie wollen. Im Gespräch ergibt sich dann aber oft, dass sie eigentlich etwas anderes brauchen oder dass sich das Gewünschte viel besser, effizienter oder flexibler auf einem anderen Weg umsetzen lässt. Für diese Einschätzung ist Erfahrung enorm wichtig.  

Welche Kernvorteile haben Kunden durch die Zusammenarbeit mit Ihnen?  

Wir bieten hochwertige Lösung für individuelle Anforderungen. Wo große Anlagenbauer oft nur von der Stange liefern können, entwickeln wir modifizierte Standardlösungen. Dafür nutzen wir Klimageräte und Regelungen aus unserer eigenen Entwicklung und Fertigung und passen sie maßgeschneidert an. Darüber können wir die erforderliche sehr hohe Genauigkeit und Stabilität von Temperatur und Feuchte erreichen. Anders als bei Fremdgeräten wissen wir genau, was unsere Geräte können und wie sie sich im Zusammenspiel mit anderen Komponenten verhalten. Also beispielsweise Sensoren, Zusatzhitze oder Adsorptionstrockner, wenn es um Hochgenauigkeit geht. Oder wenn wir Pufferlösungen integrieren, um kundenseitig bereitgestelltes Kalt- oder Warmwasser zu stabilisieren. Oder wenn wir unsere eigene Regelungstechnik programmieren.  

Wie würden Sie die Stärken von Weiss Klimatechnik beschreiben? 

Das sind im Wesentlichen drei Dinge: Spezialisierung, Range und Erfahrung. Wir wissen, was wir können, aber auch, wo unsere Grenzen sind. Die meisten unserer Projekte liegen im Temperaturbereich zwischen +10° C und +40° C und 10% bis 80% Feuchte. Wenn die Anforderungen davon abweichen, geben wir das Projekt gerne an unsere Kollegen in anderen Bereichen weiter und Kunden erhalten dort eine passende Lösung. Trotz des steigenden Qualitätsdrucks, den es natürlich auch bei uns gibt, setzen wir auf Qualität im Sinne und im Interesse unserer Kunden. 



Die gebürtige Belgierin und Diplom-Ingenieurin für Elektromechanik ist viel herumgekommen in der Welt. Vor zehn Jahren landete sie im Vertriebsinnendienst bei Weiss Klimatechnik. Dort plant sie kleinere Sonderprojekte und große Anlagen. Die Faszination für Thermodynamik hat sie von ihrem Vater geerbt, der selbst früher Klimatechnik-Großprojekte realisiert hat. In Ihrer Freizeit reist sie gerne. Wenn sie mal keine maßgeschneiderten Rein- oder Messräume plant, schneidert sie auch privat gerne – dann aber keine Klimaräume, sondern individuelle Kleider.